Dienstag, 5. Juli 2016

Kurzurlaub im Kloster - eine Auszeit für die Seele und neue Erkenntnisse

Gestern habe ich ja schon darüber berichtet,das ich einen Kurzurlaub im Bergkloster Bestwig gemacht habe.

Wie kam es dazu? Was war es denn nun genau?

Ich bin eifrige Leserin des Briefes von Anselm Grün "Einfach Leben". In einem dieser Briefe befand sich Anfang des Jahres ein Prospekt mit verschiedenen Angeboten von Herder Reisen.Ursprünglich war ein Kurzpilgern mit meinem Mann angedacht.Das wurde aus verschiedenen Gründen verworfen.Ein weiteres interessantes Angebot war ein Workshop "autobiographisches Schreiben im Bergkloster Bestwig".Ich war zuerst etwas zögerlich,doch mein lieber Mann redete mir solange gut zu,bis ich es dann buchte.

Letzte Woche war es dann soweit.Also ich muß sagen,das ich mit sehr gemischten Gefühlen dort hin gefahren bin.Was würde mich dort erwarten?Auf welche Menschen treffe ich?Mit vielen Fragen im Gepäck, körperlich und seelisch ziemlich angeschlagen habe ich mich auf den Weg gemacht.
Das erste halbe Jahr war für mich sehr anstrengend und es haben mich viele Krankheiten geplagt..Ich gehöre nämlich zu der Sorte Menschen,die man hochsensibel nennt.Das bedeutet salopp gesagt,ich höre die Flöhe husten und das Gras wachsen.

Am Abreisetag hatte ich eigentlich gar keine Lust auf diesen Workshop.Am liebsten wäre ich auf einen einsame Inseln gefahren.Das Kloster selbst reizte mich schon,doch vor allem anderen graute mir regelrecht.Beim Anblick des Klosters,es wirkte so hell und freundlich, ging es schon ein wenig besser.Als ich die Zimmertür öffnete erwartete mich eine weitere Überraschung.An der Wand hing ein Bild mit einem Engel darauf und es stand in großen blauen Buchstaben der Spruch geschrieben :"Hab keine Angst." Das traf es genau auf den Punkt.In den letzten Monaten ist das Gefühl der Angst ganz schleichend in mir gewachsen.Angst,was wird aus den Jungs,aus deinem Mann,aus dir.Angst,was bringt der nächste Tag,Angst vor allem.Sie hatte mich eingeschnürt wie ein altes Fischbeinkorsett und drückte  mir langsam die Luft ab.Sie saß auf meinen Schulter wie ein dicker,fetter,schwarzer Kater und hüllte mich ein eine große dunkle Wolke.Die Angst hatte auch meine Aktivitäten allmählich gelähmt,ich keine Lust zu gar nichts mehr,besonders nicht zum Schreiben.

In diesem Zustand bin ich in den Workshop gestartet.Einige meiner Ängste lösten sich schon am Anfang auf,es waren sehr nette Teilnehmer da,von denen jeder seine eigene Geschichte mitbrachte.Die Reiseleitung und die Autorin,die den Workshop leitete,waren ebenfalls sehr sympathische und kompetente Frauen.
Durch die besondere Atmosphäre des Klosters und der Ruhe dort  konnte ich mich ganz langsam entspannen.Der Workshop selber war sehr interessant und aufschlussreich. Ich bin oft an meine Grenzen gestoßen und am 2. Tag Mittags ging auf einmal gar nichts mehr.Die Einheit am Vormittag ging ziemlich ans Eingemachte und löste in meinem Inneren einen Wirbelsturm aus.Fast fluchtartig musste ich nach dem essen den Speisesaal verlassen.Mir war alles zu viel,die Stimmen,der Essensgeruch,einfach alles.Ich habe dann erstmal einen Kaffee getrunken und mich eine Weile draußen hingesetzt.Der Anblick des kleinen Wasserfalls beruhigte allmählich meine aufgewühlte Seele.Dann unternahm ich einen Spaziergang.Auf einer kleinen Anhöhe machte ich Rast und setzte mich auf eine Bank.Diese Stille,einfach himmlisch.Um mich herum die vielen grünen Bäumen,es tat einfach gut.Da,plötzlich hatte ich das Gefühl in meinem Inneren löst sich etwas.Ich bin innerlich ganz ruhig geworden,die Farben wurden intensiver,die Gerüche stärker.Es fühlte sich auf einmal alles so leicht an,so als ob der schwarze ,dicke Kater von meinen Schultern gesprungen wäre.Sogar die Berge,die mir sonst immer so bedrohlich erschienen und die so gar nicht meine Freunde sind erschienen mir auf einmal in einem anderen Licht.Ich dachte bei mir,Berge müssen ja nicht eingrenzen,sie können auch neugierig machen auf das,was da hinter liegt.
Also,diese Mittagszeit war das einschneidenste Erlebnis dieses Workshops.Es wirkt sogar noch bis jetzt nach.Im Nachmittag dann merkte ich es auch bei der weiteren Einheit.Ich konnte wieder schreiben.Auch in meinem Kopf die Blockade hatte sich  gelöst.

Ich bin so dankbar für diesen Workshop und das ich den Mut hatte mich auf die vielen Impulse ein zu lassen.Manchmal ist man so in seinem Hamsterad gefangen,das man ohne fremde Hilfe nicht weiter kommt.Wichtig ist,das man sich das dann auch selber eingesteht,auf seine innere Stimme hört und nicht meint,ist nicht so schlimm, wird wieder.Wird es meistens nicht und dann streikt auch der Körper,man wird krank,bekommt Verspannungen,Entzündungen oder Gelenkerkrankungen.
Das ist  mein Fazit aus diesem Workshop.:

  • auf seine innere Stimme hören
  • gut zu sich selber sein
  • sich selber Raum geben
  • anderen Menschen Raum geben
  • barmherzig zu sich selber sein
  • barmherzig zu seinen Mitmenschen sein
  • alles ist richtig,es gibt kein falsch
  • den inneren Kritiker öfter mal vor die Tür setzten
  • positiv denken
  • nicht alles in die Öffentlichkeit tragen
  • Zeit mit sich  selber verbringen
  • Schreiben um zu verarbeiten


Nun werde ich am Ball zu bleiben und versuchen nicht wieder in alte Muster zurück zu fallen.

1 Kommentar:

  1. Guten Tag Petra,

    Ich möchte Dir ein dickes Dankeschön senden, mit Hilfe dieses Postings und nach reiflicher Überlegung bin ich zu dem Schluss gekommen, im September für 4 Tage ebenfalls einzukehren im Bergkloster Bestwig. Ich bin gespannt was mich dort erwarten wird und wie die 4 Tage mich verändern werden. Nochmal ein dickes Dankeschön für diesen Text der mich inspiriert hat ebenfalls eine Auszeit im Kloster zu nehmen. Drücke dich ganz doll und bis demnächst mal wieder.

    AntwortenLöschen